Boris Wilhelm von Arndorff (* 12. Februar 1792 in Grubesfeld; † 25. Juni 1846 in Lichtenau) war ein deutscher Dichter, Komponist, Zeichner und Maler. Jurist im preußischen Staatsdienst. Arndorff gehört zu den herausragenden Vertretern der europäischen Romantik und war ab 1824 in Schwelmstadt als Theaterkapellmeister tätig. Schrieb vor allem weltliche Lieder und Singspiele wie "Demeco, mein Junge, wohin" (1827), "Benjamin sing" (1829), "Wo die drei Eichen stehn" (1836) und wurde zeitlebens besonders bekannt durch politische Lyrik ("Die Schneise" 1832) und Prosa. In seinem literarischen Werk gehen realistische Alltagswelt und traumhafte Wunschwelt unvermittelt ineinander über. Seine Novellen, Essays und Briefe zeigen die vorherrschende Psychologie der späten deutschen Romantik.

Leben

Arndorff wurde 1792 als einziger Sohn des Juristen Wilhelm von Arndorff in Grubesfeld, einer Stadt mit kaum 2000 Einwohnern, geboren. Durch seinen im preußischen Staatsdienst tätigen Vater wurde er politisch geprägt und schrieb sich 1812 als Student für Jura und Philosophie an der Universität zu Schwelmstadt ein. Bereits in dieser Zeit viel Arndorff durch sein Talent zu schreiben auf, wobei seine frühen Texte noch stark von seinen Vorbildern Joseph Freiherr von Eichendorff und Johann Friedrich Reichardt beeinflusst sind.


Der Namensgeber Boris Wilhelm von Arndorff (1792-1846).
B. W. von Arndorff 1816

Auf drängen seines Vaters trat er während seines Studiums eine Skandinavienreise an. Nach einer schweren Lungenentzündung, die ihn 1814 auf das Krankenlager warf, verbrachte der junge Dichter zur Genesung einige Wochen auf der norwegischen Insel Hitra.
In dieser Zeit ist aus Sehnsucht nach seiner im fernen Deutschland weilenden Geliebten, seiner späteren Frau Eleonora Elisabeth Haufe, ein umfangreiches Frühwerk, überwiegend Liebessonette, Briefe und zahlreiche Aquarelle, entstanden. Die in Deutschland weitestgehend unbekannten Verse, wirken, nicht zuletzt ob der Jugend des Dichters, teils noch etwas unbeholfen und stürmisch, was ihnen jedoch eine anrührende Expressivität und Direktheit verleiht.
Obwohl Arndorffs Interessen und Stärken eindeutig im künstlerischen Bereich lagen, übernahm er nach seinem Studium 1817 das Amt seines Vaters im preußischen Staatsdienst.
Erst mit seinem Spätwerk (ca. ab 1824) wurde Boris von Arndorff auch als Dichter, Komponist und Maler bekannt. Sein stetig wachsender Ruf als vielseitig begabter Künstler ermöglichte es ihm, eine Stellung als Theaterkapellmeister in Schwelmstadt einzunehmen und sich voll und ganz der Kunst zu widmen. Er heiratete seine langjährige und oft besungene Gefährtin Eleonora Elisabeth.
In dieser Blütezeit beschäftigte sich Arndorff viel mit den Idealen der Romantik und pflegt u. a. einen intensiven, ideellen Austausch mit dem Philosophen Neidhard Freiherr von Hornickel.
1843 stürzte Arndorff bei einem Reitunfall, an dessen Folgen er am 25. Juni 1846 bei Verwandten seiner Frau Eleonora in Lichtenau verstarb. In diesen letzten drei von Krankheit und Gebrechen geprägten Jahren verfasste er nur vereinzelte Gedichte, die sich mit dem Thema Tod auseinandersetzen. Das einzige überlieferte ist "Des Nebels Tuch" (1845).
1957 tauchte bei Renovierungsarbeiten in der Stadtbibliothek Winsen an der Luhe (Niedersachsen) ein undatiertes Fragment aus einem Prosazyklus von Arndorffs auf. Es wird dem Spätwerk zugeordnet.

Werke

Frühwerk
- An die Geliebte (1814)
- Der Heiler (undatiert)


Spätwerk
- Demeco, mein Junge, wohin (1827)
- Benjamin sing (1829)
- Die Schneise (1832)
- Kam ein Soldat nach langem Krieg (1836)
- Wo die drei Eichen stehn (1836)
- Zeus (1843)
- Winsenfragmente (undatiert)


Todeslyrik (einzig erhalten)
- Des Nebels Tuch (1845)

Literatur

C.F.T. Lauffnitz (Hrsg.): Die Winsenfragmente. Ein Blütenblatt der deutschen Romantik und seine Odyssee durch das Kaiserreich. Haufe Verlag, Berlin 1959 (1. Auflage), ISBN 3-4230-3345-2.
Dr. Gottfried Helm: Die Deutsche Romantik. Lehrverlag Essen, 1999, ISBN 3-8274-1122-X.

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Die Arndorff-Stiftung fördert Schwerpunktmäßig Dichtung, Musik und Malerei.